Auch der Geist verändert sich – psychische Symptome in den Wechseljahren
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Bin das wirklich noch ich?

2. Was passiert im Gehirn?

  • Wie wirken Hormone im Gehirn?
  • Neurotransmitter – wer sind sie und was tun sie?
  • Die Stressachse – was ist das eigentlich?
  • Warum Symptome unterschiedlich stark auftreten

3. Denk-, Merk- und Konzentrationsprobleme… alles wird plötzlich schwieriger

  • Was passiert im Gehirn?
  • Typische Merkmale
  • Mögliche Auslöser
  • Was helfen kann
  • Wann zum Arzt?

4. Antriebslosigkeit… alles ist plötzlich so furchtbar anstrengend

  • Was passiert im Körper und Gehirn?
  • Typische Merkmale
  • Mögliche Auslöser
  • Was helfen kann
  • Wann zum Arzt?

5. Entscheidungsschwierigkeiten… auch kleine Entscheidungen fallen plötzlich schwer

  • Was passiert im Gehirn?
  • Typische Merkmale
  • Mögliche Auslöser
  • Was helfen kann
  • Wann zum Arzt?

6. Ängstlichkeit … kleine Sorgen werden plötzlich immer größer

  • Was passiert im Gehirn?
  • Typische Merkmale
  • Mögliche Auslöser
  • Was helfen kann
  • Wann zum Arzt?

7. Wutausbrüche und geringe Belastbarkeit… bin das noch ich?

  • Was passiert im Gehirn?
  • Typische Merkmale
  • Mögliche Auslöser
  • Was helfen kann
  • Wann zum Arzt?

8. Depressive Verstimmungen und Depression… wenn die Stimmung dauerhaft absinkt

  • Was passiert im Gehirn?
  • Depressive Verstimmung und Depression – was ist der Unterschied?
  • Mögliche Zusammenhänge mit den Wechseljahren
  • Was helfen kann
  • Wann zum Arzt?

9. Fazit: Das Innenleben verändert sich – und es geht weiter

1. Einleitung: Bin das wirklich noch ich?

Das ist Teil 5 der Serie „Wechseljahrssymptome im Fokus“, in der ich die unterschiedlichen körperlichen und seelischen Veränderungen dieser Lebensphase genauer betrachte. Im ersten Teil der Serie standen klasssische Wechseljahressymptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen im Mittelpunkt. Im zweiten Teil lag der Schwerpunkt auf Zyklus- und Blutungsveränderungen, im dritten Teil auf Veränderungen an Haut, Haaren, Knochen, Muskeln und Bindegewebe. Teil vier drehte sich um Gewichtszunahme und Stoffwechselveränderungen. In diesem Beitrag geht es nun mit mentalen und emotionalen Symptomen wie Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängste und Antriebslosigkeit.

Diese Symptome können verunsichern, denn manchmal haben wir das Gefühl uns gar nicht mehr wiederzuerkennen. Oft werden die mentalen Veränderungen als Überforderung, Lebenskrise oder persönliches Problem interpretiert, dabei haben sie eine klare biologische Grundlage. Die Wechseljahre und die damit verbundenen hormonellen Umstellungen betreffen nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn. Östrogen und Progesteron wirken direkt auf unsere Nervenzellen und beeinflussen die körpereigenen Botenstoffe, die Stressregulation und auch unsere emotionale Stabilität.

Wie in den anderen Teilen der Serie möchte ich auch hier Zusammenhänge verständlich machen. Ziel ist es nicht, Symptome zu dramatisieren, sondern sie zu erklären und einordenbar zu machen. Denn wenn wir verstehen, was in unserem Gehirn passiert, entsteht Sicherheit. Und diese Sicherheit ist ein wichtiger Faktor für unsere mentale Stabilität.

Wenn du auf der Suche nach allgemeinen Informationen zu den Wechseljahren und den hormonellen Veränderungen während dieser Zeit bist, dann lies gern in meinem Artikel „Wechseljahre – was passiert wirklich“ nach.

2. Was passiert im Gehirn?

Die Wechseljahre beeinflussen uns Frauen auf so viele verschiedene Arten. Nicht nur der Körper, auch unser Gehirn reagiert sensibel auf die Veränderungen von Östrogen, Progesteron, Cortisol und weiterer Botenstoffe. Um die psychischen Veränderungen in dieser Lebensphase besser zu verstehen, lohnt es sich, die Zusammenhänge etwas genauer zu betrachten.

Wie wirken Hormone im Gehirn?

Hormone sind chemische Botenstoffe, die über das Blut zu den Zielorganen transportiert werden. Viele dieser Hormone besitzen Rezeptoren im Gehirn, das sind Andockstellen an Nervenzellen.

Östrogen- und Progesteronrezeptoren findet man in den verschiedensten Bereichen unseres Gehirns, besonders hier:

  • Im Präfrontaler Cortex, der für viele unserer Entscheidungen und die Impulskontrolle zuständig ist
  • Im Hippocampus, der unser Gedächtnis steuert
  • Im Limbischen System, das unsere Emotionen reguliert
  • Im Hypothalamus, der für unsere Stressregulation zuständig ist
  • Im Hirnstamm, der unter anderem den Schlaf-Wachrhythmus steuert.

Falls du mehr über den Aufbau unseres Gehirns wissen willst, kannst du z.B. auf dieser Seite detaillierte Informationen finden.

Östrogen wirkt im Gehirn auf mehreren Ebenen

  • Es fördert die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu bilden
  • Es beeinflusst die Produktion und die Empfindlichkeit von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin
  • Es verbessert die Durchblutung und die Energieversorgung von Nervenzellen
  • Es wirkt leicht entzündungshemmend im Gehirn

Schwankender oder sinkender Östrogenspiegel kann dazu führen, dass wir mit Stress weniger gut umgehen können, dass sich unsere Impulskontrolle, dass Stimmungsschwankungen auftreten, dass wir schneller gereizt sind oder dass unsere Gedächtnisleistung sich verändert.

Progesteron wirkt im Gehirn besonders durch seinen Einfluss auf den Neurotransmitter GABA. GABA ist der wichtigste beruhigende Botenstoff im Gehirn. Progesteron fördert die innere Ruhe, stabilisiert den Schlaf und hilft, auf Gedanken, Gefühle und äußere Reize nicht sofort mit voller Kraft zu reagieren.

In der Perimenopahse sinkt Progesteron oft häufiger und früher als Östrogen. Dadurch fehlt die Gelassenheit, der innere Dämpfer und wir reagieren mit höherer Reizbarkeit, größerer Ängstlichkeit, schlechterem Schlaf und mehr emotionalen Ausbrüchen.

Weitere Hormone

Neben Östrogen und Progesteron spielen im Gehirn auch andere Hormone wichtige Rollen für die psychische Stabilität während der Wechseljahre

  • Cortisol, das Stresshormon, beeinflusst Stimmung, Gedächtnis und Entscheidungsfähigkeit. Durch die veränderte hormonelle Balance wird Cortisol bei Belastung schneller ausgeschüttet und langsamer wieder reguliert. Dadurch können innere Anspannung, Reizbarkeit oder Erschöpfung zunehmen.
  • Schilddrüsenhormone beeinflussen, wie schnell unser Stoffwechsel arbeitet, und damit wie wach, leistungsfähig und innerlich aktiviert wir uns fühlen. Mit zunehmendem Alter und teilweise auch verstärkt durch hormonelle Umstellungen reagiert die Schilddrüse empfindlicher. Schon leichte Veränderungen können sich auf Energie, Stimmung und geistige Leistungsfähigkeit auswirken.
  • Insulin beeinflusst die Energieversorgung des Gehirns, schwankender Blutzuckerspiegel kann sich direkt auf Konzentration, Stimmung und mentale Energie auswirken. Sinkendes Östrogen kann die Insulinempfindlichkeit verringern. Dadurch schwankt der Blutzuckerspiegel oft stärker als zuvor.
  • Melatonin steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Produktion des Schlafhormons nimmt mit dem Alter ab, auch Östrogen beeinflusst die Bildung von Melatonin. In den Wechseljahren wird unser Schlaf-Wach-Rhythmus oft instabilder, was psychische Symptome zusätzlich verstärken kann. (mehr dazu im Blogartikel Schlaf)

Die Wechseljahre verändern also nicht nur die Funktionsweisen oder das Vorhandensein einzelner Hormone, sondern sie haben Auswirkungen auf das Zusammenspiel von vielen Systemen im Körper, mit direkten Auswirkungen auf unser Gehirn und unsere Psyche.

 

Neurotransmitter – wer sind sie und was tun sie?

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die Signale zwischen Nervenzellen übertragen. Stell dir unser Gehirn als riesiges Netzwerk vor, in dem Milliarden von Nervenzellen miteinander kommunizieren. Die Kommunikation erfolgt über elektrische Impulse und an den Kontaktstellen zwischen den Zellen, den sogenannten Synapsen, über verschiedene chemische Botenstoffe.

Ein Neurotransmitter wird von einer Nervenzelle freigesetzt, dockt dann an der passenden Stelle (der Rezeptorstelle) bei der nächsten Zelle an und löst dort eine Reaktion aus.

Je nachdem, welcher Neurotransmitter freigesetzt wurde, entsteht in der nächsten Zelle z.B. Aktivierung, Hemmung, Stimmungsstabilisierung, Fokussierung, Motivation oder Beruhigung.

Hier sind einige der wichtigsten Neurotransmitter:

  • Serotonin
    • Serotonin reguliert Stimmung, Impulskontrolle, Schlaf und Appetit
    • Östrogen fördert die Serotoninproduktion und erhöht die Empfindlichkeit der Rezeptoren, Serotonin kann bei höherer Empfindlichkeit leichter aufgenommen werden
    • Bei sinkenden Östrogenspiegel kann es zu Stimmungsschwankungen, erhöhter Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen und einer geringeren Frustrationstoleranz kommen
  • Dopamin
    • Dopamin ist unser zentrales Motivations- und Belohnungshormon, es steuert unseren Antrieb, unsere Zielorientierung, Freude an Aktivitäten und die Konzentrationsfähigkeit
    • Östrogen beeinflusst, wie Dopamin im Gehirn wirken kann, und damit unsere Motivation und unsere geistige Aktivierung.
    • Ein schwankender oder sinkender Östrogenspiegel kann zu Antriebslosigkeit, Entscheidungsschwierigkeitn, innerer Leere und verminderter Motivation führen.
  • GABA
    • GABA (kurz für Gamma-Amino-Buttersäure) wirkt hemmend und beruhigend, verlangsamt die Aktivität von Nervenzellen und hilft Reize zu dämpfen.
    • Progesteron verstärkt die Wirkung von GABA
    • Wenn Progesteron sinkt, kann GABA weniger wirksam sein, das kann zu mehr Ängstlichkeit, innerer Unruhe, Schlafstörungen und Überempfindlichkeit führen
  • Noradrenalin
    • Noradrenalin erhöht unsere Wachheit und Aufmerksamkeit, es ist ein aktivierender Botenstoff des Stresssystems
    • Durch die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre reagiert unser Stressystem sensibler, bei Belastungen wird schneller und länger Noradrenalin ausgeschüttet, was rascher zu chronischem Stress führen kann.
    • Wir reagieren darauf möglicherweise mit innerer Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit und sind schneller überfordert.
  • Acetylcholin
    • Acetylcholin ist wichtig für unser Gedächtnis und die Aufmerksamkeit
    • Östrogen unterstützt die Funktion dieses Botenstoffs im Hippocampus
    • Sinkt das Östrogen, kann unsere Gedächtnisleistung subjektiv nachlassen

 

Die Stressachse – was ist das eigentlich?

Die soganannte Hypothalamus – Hypopyhsen – Nebennieren – Achse (HPA-Achse) ist das zentrale Stressregulationssystem unseres Körpers.

Bei Stress läuft in unserem Körper der folgende Prozess ab:

  • Der Hypothalamus sendet das Signal, das Stress erkannt wurde
  • Die Hypophyse, die Hirnanhangdrüse, schüttet ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) aus, das die Info an die Nebenniere weitergibt
  • Die Nebenniere produziert Cortisol
  • Cortisol stellt Energie bereit und erhöht die Wachsamkeit

Im Normalfall kommt es zu kurzfristigem Stress, der leistungssteigernd und aktivierend ist und schnell regulierbar ist.

Kurzfristiger Stress ist eine akute Anpassungsreaktion des Körpers auf eine Herausforderung, wie z.B. bei einer Prüfung, bei einem Konflikt, im Zeitrduck oder bei körperlicher Anstrengung. Nach der Belastung sinkt das Cortisol wieder, das System kehrt in den Normalzustand zurück.

Chronischer Stress

Es ist allerdings auch möglich, dass Stress chronisch wird. Das passiert wenn Belastungen dauerhaft bestehen, keine ausreichende Erholung stattfindet, mehrere Stress-Auslöser gleichzeitig wirken und das Nervensystem kaum noch in den Ruhemodus wechseln kann.

Auslöser können z.B. Dauerbelastung durch Beruf, Familie oder gesundheitliche Beschwerden sein, oder auch Schlafmangel. Auch psychische Daueranspannung, bei der man ständig grübelt, sich Sorgen macht oder in innerer Alarmbereitschaft ist, kann zu chronischem Stress führen.

Bei chronischem Stress ist unser Cortisolspiegel dauerhaft erhöht, auch das Serotonin- und Dopaminsystem wird beeinträchtig. Dauerstress schwächt auch das „Vernunftzentrum“ im Gehirn, den präfrontalen Corex, wir reagieren oft impulsiver und emotionaler. Gleichzeitig wird der Teil des Gehirns, der Gefahren wahrnimmt, die Amygdala, aktiver, Situationen werden schneller als belastend oder bedrohlich erlebt, selbst wenn objektiv keine große Gefahr besteht.

Ein weiterer Auslöser für chronischen Stress kann hormonelle Instabilität sein. Vor den Wechseljahren tragen Östrogen und Progesteron stark zur Regulierung der Stressachse bei. Sie dämpfen übermäßige Corisolreaktionen, unterstützen beruhigende Botenstoffe und erleichtern den Ruhemodus nach einer Belastung. Durch die Hormonschwankungen bzw. den Rückgang fehlt in den Wechseljahren diese Unterstützung.

Dadurch wird die Stressachse sensibler, das Nervensystem reagiert schneller auf Reize, die Erholungsfähigkeit geht zurück und chronischer Stress kann sich einfacher entwickeln.

Warum Symptome unterschiedlich stark auftreten

Psychische Veränderungen in den Wechseljahren sind, genauso wie alle anderen Wechseljahrssymptome, nicht bei jeder Frau gleich. Das hat verschiedene Gründe:

  • Die Hormone geraten während der Wechseljahre ins Chaos, allerdings hat jede Frau ihr ganz persönliches Chaos, daher ist Vergleichen kaum möglich.
  • Es gibt auch genetische Faktoren, wie empfindlich die Rezeptoren für Botenstoffe sind.
  • Unser Stresslevel bzw. wie wir mit Stress umgehen ist ebenfalls von Frau zu Frau verschieden.
  • Schlafqualität: wer ausgeschlafen ist kann besser mit psychischen Veränderungen umgehen.
  • Wir sind nicht alle in der gleichen Lebenssituation und tragen unterschiedliche Verantwortungen, die sich mehr oder weniger stark auf unsere psychische Konstitution auswirken können.
  • Manche von uns haben schon früher mit psychischen Problemen zu tun gehabt, sind vielleicht anfälliger oder haben im Lauf der Zeit Methoden entwickelt, mit verschiedenen psychischen Symptomen umzugehen.
  • Auch körperliche Faktoren, wie Schilddrüsenprobleme oder unser Nährstoffstatus können unsere psychische Belastbarkeit beeinflussen.

Die Wechseljahre verstärken oft schon bestehende Muster. Sie erzeugen selten völlig neue Persönlichkeitsmerkmale, verändern jedoch die psychische Stabilität.

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3. Nachdenken, Dinge merken, Konzentrieren… alles wird plötzlich schwieriger

Wechseljahre, das kann bedeuten, das Gefühl zu haben, dass das Gehirn plötzlich anders arbeitet als bisher: Termine werden vergessen, Worte „liegen auf der Zunge“, Gespräche reißen in der Mitte ab, komplexe Aufgaben wirken viel anstrengender als früher. Oft haben wir das Gefühl, dass unsere Gedanken unter einer Wattedecke liegen und es uns viel schwerer fällt zu ihnen durchzudringen, uns an Dinge zu erinnern und Aufgaben konzentriert zu erledigen.

Dieses Phänomen, das auch Brain Fog genannt wird, habe ich in im Blogartikel „Wechseljahre – was passiert wirklich“ schon genauer beschrieben – lies gern hier nach.

Hier will ich nun zusätzlich noch einige zugrundeliegende Mechanismen erklären.

Was passiert im Gehirn?

Gedächtnis und Konzentration sind keine einzelnen Funktionen, mehrere Gehirnregionen spielen hier zusammen, damit wir Informationen aufnehmen, speichern und später wieder abrufen können.

Im ersten Schritt muss unsere Aufmerksamkeit aktiviert werden. Dafür ist vor allem der präfrontale Cortex zuständig, ein Bereich im vorderen Teil des Gehirns. Er entscheidet, welche Informationen wichtig sind und unsere Aufmerksamkeit verdienen. Gleichzeitig hilft er uns, störende Reize auszublenden, Prioritäten zu setzen und Gedanken zu strukturieren.

Wenn wir uns auf etwas konzentrieren, arbeitet der präfrontale Cortex eng mit unserem Arbeitsgedächtnis zusammen. Das funktioniert wie ein mentaler Notizblock. Hier werden Informationen für kurze Zeit gespeichert und verarbeitet, z.B. wenn wir uns eine Telefonnummer merken, einen Text lesen oder mehrere Gedanken gleichzeitig im Kopf behalten müssen.

Damit Informationen nicht sofort wieder verloren gehen, müssen sie anschließend ins Langzeitgedächtnis übergeführt werden. Dieser Prozess findet vor allem im Hippocampus statt. Er unterstützt dabei, neue Erinnerungen zu bilden und neue Informationen mit bereits vorhandenem Wissen zu verknüpfen.

Damit das Zusammenspiel zwischen den Gehirnregionen funktioniert, braucht es eine stabile Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Diese Kommunikation wird über die Neurotransmitter gesteuert. Für Konzentration und Gedächtnis sind dabei folgende Systeme besonders wichtig:

  • Dopamin unterstützt Motivation, Aufmerksamkeit und geistige Aktivierung
  • Acetylcholin spielt eine zentrale Rolle bei Lernprozessen und bei der Überführung ins Langzeitgedächtnis

Wenn diese Systeme gut zusammenarbeiten, können wir Informationen aufnehmen, verarbeiten und zuverlässig abrufen. Gibt es hier Probleme, z.B. durch hormonelle Veränderungen, Stress oder Schlafmangel, kann sich das durch Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit oder mentale Ermüdung bemerkbar machen.

Gerade in den Wechseljahren können Schwankungen von Östrogen und anderen Hormonen die Prozesse im Gehirn beeinflussen, sodass sich das Gehirn zeitweise weniger klar oder belastbar anfühlt.

Was bedeutet Konzentration?

Konzentration bedeutet die Fähigkeit des Gehirns, unsere Aufmerksamkeit gezielt auf eine bestimmte Aufgabe oder Information zu richten und störende Reize auszublenden. Denn unser Gehirn nimmt durchgehend eine riesige Menge an Eindrücken wahr, Geräusche, Gedanken, Erinnerungen, visuelle Reize, Gerüche usw. Konzentration sorgt dafür, dass wir uns aus dieser Vielfalt an Informationen auf das Wesentliche fokussiert werden.

Die Entscheidung, welche Reize relevant sind, wird vom präfrontalen Cortex getroffen, allerdings in ständigem Zusammenspiel mit anderen Teilen des Gehirns, die für Emotionen oder instinktgetriebene Reaktionen zuständig sind.

Während der Wechseljahre…

Wie wir wissen, schwanken viele unserer Hormone während der Wechseljahre

  • Östrogen unterstützt im Hippocampus, um neue Verbindungen zu vorhandenem Wissen zu schaffen. Es verbessert die Übertragung durch Neurotransmitter und die Energieversorgung der Nervenzellen. Sinkender Östrogenspiegel kann zu mehreren Veränderungen führen, da der Zugriff auf Gedächtnisinhalte erschwert wird:
    • Die Verarbeitung neuer Informationen wird langsamer
    • Das Abrufen von Namen oder Begriffen wird schwieriger
    • Die geistige Wendigkeit, das Anpassen an neue Herausforderungen, nimmt ab
  • Dopamin beeinflusst unsere Fähigkeit, Aufmerksamkeit gezielt zu lenken, ein sinkender Dopaminspiegel kann also dazu führen:
    • Dass wir uns viel kürzer auf eine Sache konzentrieren können
    • Dass es uns schwerer fällt, mehrere Informationen gleichzeitig zu behalten und zu bearbeiten
    • Dass wir schneller geistig müde werden

Typische Merkmale

Hormonell bedingte geistige Veränderungen zeigen sich häufig durch Vergesslichkeit im Alltag, Wortfindungsstörungen, vorzeitigem Abbruch der Konzentration, schneller geistiger Ermüdung, und dem Gefühl von „mentalem Nebel“.

Die Symptome treten meist schwankend auf und verstärken sich in verschiedenen Situationen und entsprechen damit nicht den Mustern von neurodegenerativen Erkrankungen. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, bei Unsicherheit oder starken Symptomen einen Arzt aufzusuchen.

Mögliche Auslöser

Neben hormonellen Veränderungen können auch verschiedene Alltagsfaktoren Denk- und Konzentrationsprobleme zusätzlich verstärken.

  • Schlafmangel: Während des Schlafs verarbeitet und speichert das Gehirn die Informationen des Tages. Wird der Schlaf häufig unterbrochen oder ist insgesamt zu kurz, können Informationen schlechter im Langzeitgedächtnis verankert werden. Dadurch fällt es schwerer, sich Dinge zu merken oder neu Gelerntes zuverlässig abzurufen. Mehr dazu findest du in meinem Artikel zum Thema Schlaf.
  • Chronischer Stress: Dauerstress erhöht den Cortisolspiegel dauerhaft. Cortisol beeinflusst besonders den präfrontalen Cortex, der für Aufmerksamkeit, Planung und Impulskontrolle zuständig ist. Chronischer Stress bedeutet, dass das Steuerzentrum des Gehirns weniger effizient arbeitet, daneben werden die emotionalen Reaktionszentren aktiver. Dadurch springen Gedanken mehr herum, Entscheidungen fallen schwerer und konzentriertes Arbeiten wird anstrengender.
  • Multitasking: Unser Gehirn ist eigentlich nicht darauf ausgelegt, mehrere anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Was wir als Multitasking wahrnehmen ist meist ein schnelles Hin- und Herspringen der Aufmerksamkeit zwischen verschiedenen Aufgaben. Dieses ständige Umschalten verbraucht viel mentale Energie und belastet das Arbeitsgedächtnis. Die Folge können schnellere geistige Ermüdung, Fehler oder das Gefühl sich schlecht konzentrieren zu können sein.
  • Mental Load: Die unsichtbare gedankliche Arbeit, die im Hintergrund unseres Alltags ständig mitläuft, wie planen, organisieren, an Aufgaben denken, Termine koordinieren oder Verantwortung für das Funktionieren des Familien- und Alltagslebens zu tragen, beansprucht vor allem unseren präfrontalen Cortex, der für Planung, Aufmerksamkeit und Entscheidungen zuständig ist. Dauerhafte Belastung führt dazu, dass unsere geistige Energie schneller erschöpft ist und konzentriertes Denken schwerer fällt.
  • Reizüberflutung: Unser Gehirn filtert ständig eine enorme Menge an Informationen aus unserer Umgebung. Dauerhafte Reizüberflutung, z.B. durch ständige digitale Ablenkung, mehrere Informationsströme nebeneinander oder ein sehr hektisches Umfeld fördern die Aufmerksamkeitssysteme stark. Der präfrontale Cortex muss permanent entscheiden, welche Informationen wichtig sind und welche ignoriert werden sollen. Diese Dauerbelastung kann zu schnellerer geistiger Ermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten führen.
  • Blutzuckerschwankungen: Unser Gehirn ist auf eine stabile Versorgung mit Glukose angewiesen, da es selbst kaum Energiereserven speichern kann. Starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels, z.B. durch sehr zuckerreiche Mahlzeiten oder lange Esspausen führen dazu, dass das Gehirn eine Zeitlang weniger Energie zur Verfügung hat. Das kann zu Konzentrationsabfällen, mentaler Müdigkeit oder stärkerer Reizbarkeit führen.
  • Dehydration: Das Gehirn besteht zu einem großen Teil aus Wasser und reagiert sehr empfindlich auf unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Oft trinken wir im Alltag zu wenig, besonders wenn unser Tag von Stress, Hektik oder viel Bildschirmarbeit bestimmt wird. Doch schon leichte Dehydration kann die Durchblutung des Gehirns und die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen beeinträchtigen, was zum Nachlassen von Aufmerksamkeit, einer geringeren Reaktionsgeschwindigkeit und weniger geistiger Ausdauer nachlassen.
  • Bewegungsmangel: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und verbessert die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Nervenzellen. Gleichzeitig unterstützt körperliche Aktivität die Bildung neuer neuronaler Verbindungen. Bei Bewegungsmangel wird das Gehirn schlechter versorgt und arbeitet weniger effizient, dadurch können Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit schneller nachlassen.
  • Entzündungsprozesse im Körper: Leichte chronische Entzündungsprozesse im Körper wie sie z.B. durch Stress oder unausgewogene Ernährung entstehen können, können ebenfalls die Aktivität der Nervenzellen beeinflussen. Entzündungsbotenstoffe gelangen über das Blut zum Gehirn und können dort die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verändern. Dadurch können Konzentration, mentale Klarheit und Gedächtnisleistung beeinträchtigt werden.

Was helfen kann

Wir haben viele Möglichkeiten, unser Gehirn im Alltag zu unterstützen. Oft reichen kleine Anpassungen im Lebensstil, die dazu beitragen, dass sich unsere Konzentration verbessert, unsere Gedächtnisleistung höher wird und wir uns geistig wieder klarer fühlen.

  • Schlafqualität verbessern: Regelmäßige Schlafenszeiten können helfen, den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Auch eine ruhige Abendroutine ohne Bildschirmreize und ein kühles, dunkles Schlafzimmer unterstützt das Nervensystem – mehr dazu in meinem Blogartikel zum Thema Schlaf
  • Bewusste Pausen einbauen: Kurze Unterbrechungen im Tagesverlauf, z.B. ein paar Minuten an der frischen Luft, ein kurzer Spaziergang oder ein bewusstes Durchatmen helfen dem Gehirn, sich zu regenerieren und wieder klarer zu arbeiten. Arbeite z.B. mit der Pomodoro-Methode, die Konzentrations- und Pausenzeiten klar vorgibt.
  • Aufgaben strukturieren und priorisieren: To-do-Listen, klare Prioritäten setzen, z.B. mit Hilfe der Eisenhower-Matrix, die bei der Periodisierung unterstützt, und das bewusste Ab-Arbeiten von einzelnen Aufgaben reduzieren mentale Überlastung. Besonders hilfreich ist es, große Aufgaben in kleine, überschaubare Schritte aufzuteilen.
  • Gedanken aus dem Kopf aufs Papier bringen: Termine, Aufgaben oder Ideen aufzuschreiben entlastet das Gedächtnis. Wenn wir nicht mehr alles gleichzeitig im Kopf behalten müssen, schaffen wir es leichter, uns zu konzentrieren.
  • Digitale Ablenkungen reduzieren: Das Gehirn mag es, wenn wir auf unserem Smartphone Benachrichtigungen ausschalten und feste Zeiten für E-Mails oder Nachrichten festlegen. Bewusst störungsfreies Arbeiten einzuplanen kann helfen, konzentrierter zu arbeiten.
  • Blutzucker stabil halten: Um das Gehirn durchgehend mit Energie zu versorgen, sind regelmäßige Mahlzeiten wichtig, die zu großen Anteilen aus komplexen Kohlenhydraten, Eiweiß und gesunden Fetten bestehen. Sehr zuckerreiche Snacks oder lange Essenspausen führen oft zu Leistungseinbrüchen.
  • Ausreichend Trinken: Ein Glas Wasser griffbereit am Arbeitsplatz oder feste Trinkgewohnheiten über den Tag verteilt helfen die Flüssigkeitszufuhr stabil zu halten.
  • Bewegung in den Alltag integrieren. Schon moderate Bewegung wie Spaziergänge, Radfahren oder leichtes Krafttraining beeinflusst die geistige Leistungsfähigkeit positiv
  • Mit sich selbst geduldig bleiben. Konzentrationsschwankungen in den Wechseljahren sind häufig vorübergehend. Ein verständnisvoller Umgang mit sich selbst und realistische Erwartungen reduzieren zusätzlichen Druck, den wir uns selbst machen.

Wann zum Arzt

Ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn kognitive Einschränkungen plötzlich auftreten, immer stärker werden, sie mit anderen neurologischen Symptomen einhergehen oder es zu starken depressiven Verstimmungen kommt. Außerdem ist ein Arztbesuch immer sinnvoll, wenn du dich unsicher fühlst und Klarheit über die Veränderungen in deinem Körper und deinem Geist erhalten willst.

4. Antriebslosigkeit… alles ist plötzlich so furchtbar anstrengend

Kennst du das auch? Das Gefühl, dass Dinge, die früher selbstverständlich waren, sich plötzlich furchtbar anstrengend anfühlen, dass kaum mehr Energie da ist um den Alltag zu bewältigen. Es braucht unendlich viel Überwindung, sich um kleine Aufgaben zu kümmern, man ist überhaupt nicht motiviert, irgendwas zu tun.

Diese Antriebslosigkeit kann ebenfalls ein Anzeichen der Wechseljahre sein, der Körper reagiert nun durch die inneren Veränderungen anders auf Anforderungen von außen.

Was passiert im Körper und im Gehirn?

Unsere Motivation und Handlungsbereitschaft entstehen nicht einfach nur „im Kopf“ und sind mit etwas mehr Willensstärke überwindbar, sondern werden durch das Zusammenspiel mehrerer Systeme in unserem Körper gesteuert. Viele dieser Systeme werden durch unsere Hormone gesteuert, kommt es zu Hormonveränderungen hat das Einfluss auf das System – und damit auf unsere allgemeine Motivation und unser Energielevel.

Folgende Systeme sind ganz besonders daran beteiligt, wie motiviert wir sind, wie einfach es für uns ist ins Tun zu kommen und wie viel Energie wir benötigen um unseren Alltag und zusätzliche Aufgaben einfach zu bewältigen.

  • Veränderungen im Dopaminsystem: Dopamin ist ein zentraler Botenstoff für Motivation, Zielorientierung und Belohnung. Östrogen beeinflusst die Aktivität der Dopaminrezeptoren. Wenn der Östrogenspiegel schwankt oder sinkt, kann auch das Motivationssystem weniger aktiv sein. Aufgaben fühlen sich dann anstrengender an und der innere Antrieb nimmt ab.
  • Schwankungen von Östrogen und Progesteron: Diese Hormone wirken nicht nur auf den Zyklus, sondern auch auf Stimmung, Energie und Stressregulation. Schwanken die Hormone, kann das zu mentaler Erschöpfung und geringerer Belastbarkeit führen.
  • Veränderungen in der Stressregulation: Östrogen wirkt normalerweise stabilisierend auf die Stressachse. Sinkt der Östrogenspiegel, reagiert das Stresssystem oft empfindlicher. Der Körper reagiert schneller auf Stressreize und bleibt häufiger im Stress-Zustand, was auf Dauer zu Energielosigkeit führen kann
  • Veränderungen im Energiestoffwechsel. Hormone beeinflussen auch, wie der Körper Energie bereitstellt und nutzt. In den Wechseljahren kann die Energieverfügbarkeit im Körper weniger stabil sein, das macht sich durch Müdigkeit oder fehlende Energie bemerkbar.
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Typische Merkmale

Antriebslosigkeit kann sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen. Oft haben wir Schwierigkeiten ins Tun zu kommen, Aufgaben überhaupt zu beginnen. Der Alltag fühlt sich oft schon ohne außergewöhnliche Belastungen anstrengend an, da ist ein Gefühl von innerer Erschöpfung. Uns fehlt oft die Motivation für Aktivitäten, auch Dinge die früher Freude gemacht haben wirken weniger attraktiv. Kleine Entscheidungen können ungewöhnlich viel Energie kosten, Aufgaben werden häufiger aufgeschoben, weil der innere Antrieb fehlt und oft fühlt sich der Kopf leer oder erschöpft an, selbst bei geringer Belastung.

 

Mögliche Auslöser

Neben hormonellen Veränderungen können verschiedene Faktoren die Antriebslosigkeit zusätzlich verstärken:

  • Schlafmangel: Hormonveränderungen haben Einfluss auf unsere Schlafqualität. Weniger körperliche und mentale Erholung führen dazu, dass uns oft die Energie fehlt, motiviert in den Tag zu starten.
  • Chronischer Stress: Dauerhafte Belastung kann zu mentaler Erschöpfung führen und die Energie im Alltag deutlich reduzieren. Wenn das Stresssystem ständig aktiv ist, hat der Körper weniger Raum für Regeneration und Energieaufbau
  • Blutzuckerschwankungen: Unregelmäßige Mahlzeiten oder stark zuckerreiche Ernährung können Energieeinbrüche im Tagesverlauf begünstigen. Das Gehirn reagiert empfindlich auf diese Schwankungen und kann sich dann schwerer konzentrieren oder motivieren
  • Bewegungsmangel. Wenig körperliche Aktivität kann Müdigkeit und Energielosigkeit verstärken. Bewegung fördert die Durchblutung, aktiviert den Kreislauf und unterstützt die natürliche Bereitstellung von Energie im Körper.
  • Emotionale Belastungen: Konflikte, Sorgen oder große Lebensveränderungen können viel innere Energie binden. Wenn ein großer Teil der Aufmerksamkeit ständig mit belastenden Themen beschäftigt ist, bleibt oft weniger Kraft für Alltag, Motivation und Handlungsfähigkeit.
  • Mental Load: Die dauerhafte Organisation von Alltag, Familie und Arbeit kann das Gefühl von Erschöpfung verstärken. Auch wenn äußerlich gerade Ruhe herrscht, läuft innerlich oft weiterhin eine permanente To-Do-Liste ab
  • Nährstoffmangel: Ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Vitamin D kann ebenfalls zu Müdigkeit und Energielosigkeit beitragen. Fehlen dem Körper wichtige Bausteine für Sauerstoffversorgung, Nervenfunktion oder Stoffwechsel, kann sich das dirket auf Energie und Antrieb auswirken.

Was helfen kann

Auch wenn Antriebslosigkeit in den Wechseljahren häufig hormonelle Ursachen hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Energiehaushalt zu stärken

  • Mit kleinen Schritten beginnen: Große Aufgaben können überfordern. Kleine, überschaubare Schritte erleichern es, wieder ins Handeln zu kommen und helfen dem Gehirn, Erfolgserlebnisse wahrzunehmen. Dadurch werden Motivation und Selbstwirksamkeit gestärkt.
  • Regelmäßig Bewegung einbauen: Kurze Spaziergänge oder leichte Bewegung können Energie und Motivation verbessern. Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns, aktiviert das Dopaminsystem und hilft uns, unsere inneren Energiereserven wieder aufzufüllen
  • Struktur im Alltag schaffen. Feste Tagesroutinen helfen dem Körper, Energie besser einzuteilen. Wiederkehrende Abläufe reduzieren die Anzahl der Entscheidungen, die wir treffen müssen und entlasten dadurch das Gehirn, was besonders in Phasen mentaler Erschöpfung hilfreich ist.
  • Regelmäßige Mahlzeiten einplanen. Eine stabile Energieversorgung unterstützt die körperliche und die geistige Leistungsfähigkeit. Ausgewogene Mahlzeiten mit Eiweiß, Ballaststoffen und gesunden Fetten helfen, starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden und Energieeinbrüche zu reduzieren.
  • Bewusst Pausen einplanen. Kurze Erholungsphasen können helfen, Energie im Tagesverlauf wieder aufzubauen. Schon wenige Minuten bewusste Pause, in der wir unseren Geist und unseren Atem zur Ruhe kommen lassen, können das Nervensystem entlasten.
  • Gedanken und Aufgaben notieren. Schriftliche To-Do-Listen entlasten das Gedächtnis und reduzieren mentale Überforderung. Wenn Aufgaben verschriftlicht werden, muss das Gehirn weniger Energie darauf verwenden, alles gleichzeitig im Blick zu behalten.
  • Aktivitäten einplanen, die Freude machen. Positive Erlebnisse können das Motivationssystem im Gehirn wieder aktivieren. Auch kleine angenehme Aktivitäten, z.B. ein Gespräch, Musik hören oder Zeit in der Natur verbringen, können das Dopaminsystem stimulieren und neue Energie freisetzen.
  • Realistische Erwartungen an sich selbst stellen. In Phasen hormoneller Veränderung darf das Tempo auch mal geringer sein. Die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu akzeptieren reduziert den Druck, den wir uns selbst machen und kann helfen, vorhandene Energie sinnvoller einzusetzen.

Wann zum Arzt

Gelegentliche Phasen von Antriebslosigkeit sind in den Wechseljahren nicht ungewöhnlich. Wenn die Energielosigkeit über einen längeren Zeitraum anhält oder den Alltag stark beeinträchtigt, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Ganz besonders sinnvoll ist ein Arztbesuch, wenn zusätzlich eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten, um auszuschließen, dass körperliche Ursachen wie z.B. Schilddrüsenprobleme oder ein Nährstoffmangel vorliegen:

  • Anhaltenden starke Erschöpfung
  • Depressive Stimmung oder Interessensverlust
  • Starke Schlafprobleme
  • Unerklärliche Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Konzentrationsprobleme oder Gedächtnisstörungen

5. Entscheidungsschwierigkeiten… auch kleine Entscheidungen fallen plötzlich schwer

Ein Symptom der Wechseljahre kann es sein, dass Entscheidungen plötzlich viel schwerer fallen als früher. Dinge, die noch vor kurzem intuitiv entschieden wurden, fühlen sich plötzlich wie ein innerer Kraftakt an. Dabei ist es ganz egal, ob die Entscheidung eine große Lebensfrage betrifft oder es um eine ganz alltägliche, kleine Entscheidung geht wie z.B. Was soll ich heute kochen? Wie priorisiere ich die Aufgaben, die ich heute erledigen will? oder: Welchen Film will ich mir heute anschauen?

Auch dieses Phänomen hängt eng mit den hormonellen Veränderungen im Körper und deren Einfluss auf unser Gehirn zusammen.

Was passiert im Gehirn?

Auch hier kommt es wieder zu einem Zusammenspiel mehrerer Gehirnregionen, die Informationen bewerten, Prioritäten setzen und mögliche Konsequenzen abschätzen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei wieder der präfrontale Cortex, der für Planung, Abwägung von Optionen, Impulskontrolle und zielgerichtetes Handeln zuständig ist.

Um Entscheidungen zu treffen, müssen im Gehirn mehrere Schritte gleichzeitig funktionieren:

  • Informationen müssen im Arbeitsgedächtnis gehalten werden
  • Mögliche Optionen müssen miteinander verglichen werden
  • Emotionale und rationale Aspekte müssen abgewogen werden
  • Und schließlich muss eine Handlungsentscheidung getroffen werden

Östrogen unterstützt die Aktivität von Dopamin im präfrontalen Cortex. Dopamin ist sehr wichtig für Motivation, Zielorientierung und Entscheidungsfähigkeit. Sinkt der Östrogenspiegel, kann das Dopaminsystem weniger stabil arbeiten, Entscheidungen fühlen sich dann weniger klar oder weniger motivierend an.

Auch chronischer Stress, der in den Wechseljahren durch den schwankenden bzw. sinkenden Östrogenspielgel leichter entsteht, beeinflusst Entscheidungsprozesse. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann die Aktivität des präfrontalen Cortex reduzieren, während emotionale Reaktionszentren stärker aktiv werden. Dadurch fällt es schwerer, Informationen strukturiert zu bewerten oder Prioritäten zu setzen.

Auch Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme, die in den Wechseljahren häufiger auftreten, können Entscheidungsprobleme verlangsamen. Wenn weniger Informationen gleichzeitig im Arbeitsgedächtnis verfügbar sind, wird das Abwägen verschiedener Optionen schwieriger.

Als Folge können Entscheidungen länger dauern, sich weniger klar anfühlen oder ganz vermieden werden.

Typische Merkmale

Entscheidungsschwierigkeiten in den Wechseljahren können sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Typisch sind z.B. das Gefühl, sich schwerer entscheiden zu können als früher, das längere Abwägen, selbst bei kleinen Alltagsentscheidungen, die Unsicherheit ob eine Entscheidung „richtig“ ist, das Aufschieben von Entscheidungen, die schnelle Überforderung, wenn mehrere Optionen gleichzeitig bestehen und das Gefühl, gedanklich festzustecken, keine Lösung zu sehen.

Mögliche Auslöser

Neben den hormonellen Veränderungen können auch verschiedene Faktoren, die uns im Alltag begegnen Entscheidungsschwierigkeiten verstärken.

  • Chronischer Stress: Dauerhafte Belastung und damit dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann die Funktionsfähigkeit des präfrontalen Cortex beeinträchtigen. Dadurch fällt es schwerer, Informationen ruhig zu bewerten und Prioritäten zu setzen
  • Mentale Überlastung: Wenn viele Aufgaben, Gedanken und Verantwortlichkeiten gleichzeitig da sind, wird das Arbeitsgedächtnis stark belastet. In solchen Situationen fällt es schwer, klare Entscheidungen zu treffen
  • Schlafmangel: Zu wenig oder unterbrochener Schlaf beeinträchtigen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Entscheidungsfähigkeit. Das Gehirn arbeitet dann weniger effizient, Entscheidungen können sich deutlich anstrengender anfühlen.
  • Perfektionismus: Der Anspruch an sich selbst, immer die bestmögliche Entscheidung treffen zu müssen, kann den Entscheidungsprozess zusätzlich verlangsamen. Je mehr Optionen gegeneinander abgewogen werden müssen, desto größer wird die innere Unsicherheit. Mehr zum Thema Perfektionismus findest du in diesem Artikel.
  • Emotionale Belastung: Sorgen, Konflikte oder große Lebensveränderungen können viel mentale Energie binden. Dadurch bleibt weniger Kapazität für strukturierte Entscheidungsprozesse
Blog | Wechseljahrssymptome Teil 5 | Wachsen im Wechsel Martina Pietsch, Wegweiser in verschiedene Richtungen mit Aufschriften this way, that was, wrong was, go back, Tea Party

Was helfen kann

Wir haben verschiedene Möglichkeiten, unser Gehirn bei Entscheidungsprozessen zu unterstützen:

  • Optionen bewusst begrenzen: Zu viele Wahlmöglichkeiten können das Gehirn überfordern. Wenn wir die Anzahl der Optionen reduzieren, können wir leichter klare Entscheidungen treffen.
  • Entscheidungen strukturieren: Es kann hilfreich sein, Vor- und Nachteile kurz aufzuschreiben. Das entlastet das Arbeitsgedächtnis und macht den Entscheidungsprozess übersichtlicher und nachvollziehbarer
  • Zeitfenster für Entscheidungen setzen. Wenn Entscheidungen immer wieder aufgeschoben werden, hilft ein klarer zeitlicher Rahmen. Ein festgelegter Zeitrahmen verhindert endloses Grübeln
  • Prioritäten klären: Nicht jede Entscheidung ist gleich bedeutend. Sich bewusst zu machen, welche Entscheidungen wirklich wichtig sind, reduziert unnötigen inneren Druck.
  • Gedankliche Entlastung schaffen: To-Do-Listen oder Notizen helfen, Aufgaben aus dem Kopf auszulagern. Dadurch bleibt mehr mentale Energie für wichtige Entscheidungen.
  • Stress reduzieren: Entspannungsübungen oder leichte Bewegung können das Nervensystem beruhigen. Ein entspannteres Stresssystem erleichtert auch den Zugang zu klareren Entscheidungen.
  • Akzeptieren, dass nicht jede Entscheidung perfekt sein muss: Viele Entscheidungen im Alltag müssen nicht perfekt, sondern nur ausreichend gut sein. Diese Haltung kann den inneren Entscheidungsdruck deutlich reduzieren.

Wann zum Arzt?

Wenn Entscheidungsschwierigkeiten sehr stark ausgeprägt sind, sich deutlich verschlimmern oder zusammen mit anderen Symptomen wie Antriebslosigkeit, ausgeprägten Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen oder depressiver Stimmung auftreten, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein, um körperliche Ursachen wie Schilddrüsenveränderungen oder auch eine Depression auszuschließen.

6. Ängstlichkeit… kleine Sorgen werden plötzlich immer größer

Plötzlich sind da viel mehr Sorgen und Ängste als noch kurze Zeit zuvor. Dinge, die lange Zeit ganz normal schienen, bereiten plötzlich Sorgen. Ganz egal, ob es um die Gesundheit geht, die eigene oder die von Menschen die uns nahestehen, ob wir an unsere Zukunft denken, oder ob wir ganz einfach allgemein unruhig sind, da ist viel weniger Ruhe und Gelassenheit und es sind viel mehr dunkle Gedanken und Gefühle da.

Manche Frauen erleben während der Wechseljahre zum ersten Mal in ihrem Leben ausgeprägte Angstgefühle, andere bemerken, dass sich bereits bekannte Ängste und Sorgen deutlich verstärken. Auch diese Gefühle und Gedanken können durch die hormonellen Veränderungen beeinflusst werden.

Was passiert im Gehirn?

Angst ist grundsätzlich eine wichtige Schutzfunktion unseres Körpers. Sie hilft uns, Gefahren wahrzunehmen und schnell zu reagieren. Im Gehirn spielt dabei die Amygdala eine zentrale Rolle. Sie ist Teil des limbischen Systems, das im Gehirn für unsere Emotionen zuständig ist, und bewertet ständig, ob eine Situation potentiell gefährlich sein könnte.

Normalerweise arbeitet die Amygdala eng mit dem präfrontalen Cortex zusammen. Während die Amygdala schnell auf mögliche Bedrohungen reagiert, überprüft der präfrontale Cortex die Einschätzung und kann, wenn notwendig, die emotionale Reaktion wieder beruhigen.

Auch bei diesem Zusammenspiel spielen Hormone eine wichtige Rolle

  • Östrogen unterstützt die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gehirnregionen, die für unsere Emotionsregulation verantwortlich sind. Dazu gehören vor allem die Amygdala, der präfrontale Cortex und auch der Hippocampus, der auch Erinnerungen und Erfahrungen in die Bewertung einbezieht. Außerdem wirkt es stabilisierend auf verschiedene Neurotransmittersysteme, unter anderem Serotonin und Dopamin.
  • Progesteron wirkt besonders über den beruhigenden Neurotransmitter GABA. Dieser Botenstoff hilft dem Gehirn, Reize zu dämpfen und emotionale Reaktionen zu regulieren.

In der Perimenopause sinkt Progesteron häufig früher und stärker als Östrogen. Dadurch verliert das Nervensystem einen wichtigen beruhigenden Einfluss. Reize können intensiver wahrgenommen werden und emotionale Reaktionen fallen stärker aus.

Sinkt auch der Östrogenspiegel, wird das Zusammenspiel der Gehirnreaktionen weniger stabil. Emotionale Reaktionen werden intensiver und sind schwerer regulierbar. Wenn die Zusammenarbeit der Gehirnregionen durch den Hormonmangel instabil ist, können neutrale Situationen leichter als potenziell bedrohlich interpretiert werden.

Gleichzeitig reagiert auch die Stressachse sensibler, wenn der Östrogenspiegel sinkt. Cortisol und Noradrenalin werden bei Belastung schneller ausgeschüttet und bleiben oft länger aktiv. Dadurch bleibt das Nervensystem länger im Alarmmodus, auch wenn es objektiv keine Gefährdung gibt.

Typische Merkmale

Typisch für steigende Ängstlichkeit in den Wechseljahren sind z.B. plötzlich stärkere Sorgen oder Grübelgedanken, eine erhöhte innere Anspannung oder Nervosität und das Gefühl schneller überfordert zu sein. Die Zukunfts- oder Gesundheitsängste werden stärker und man reagiert empfindlicher als früher bei verschiedenen Situationen oder Gedanken. Manchmal kommt es auch zu körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Unruhe oder Engegefühl in der Brust.

Die Symptome treten oft phasenweise stärker auf und lassen dann wieder nach, das kann mit den Hormonschwankungen während der Wechseljahre zusammenhängen.

Blog | Wechseljahrssymptome Teil 5 | Wachsen im Wechsel Martina Pietsch, müde Frau mit Pferdeschwanz und blauem Polo, sitzend, Kopf auf Hand aufgestützt

Mögliche Auslöser

Neben hormonellen Veränderungen können auch verschiedene Alltagsfaktoren Ängstlichkeit zusätzlich verstärken:

  • Chronischer Stress: Dauerbelastung hält das Stresssystem aktiv und erhöht den Cortisolspiegel. Dadurch bleibt das Nervensystem länger im Alarmzustand und reagiert sensibler auf mögliche Bedrohungen.
  • Schlafmangel: Zu wenig oder unterbrochener Schlaf kann die emotionale Stabilität deutlich beeinträchtigen. Das Gehirn reagiert dann empfindlicher auf Stress oder emotionale Reize.
  • Reizüberflutung: Ein hektischer Alltag mit vielen gleichzeitigen Anforderungen kann das Nervensystem dauerhaft überlasten. Wenn das Gehirn dauernd zwischen verschiedenen Reizen wechseln muss, steigt die innere Anspannung.
  • Körperliche Erschöpfung: Energiemangel oder starke Müdigkeit können die emotionale Belastbarkeit reduzieren. In solchen Phasen wirken Sorgen oder Probleme oft größer als sie tatsächlich sind.
  • Lebensveränderungen: Die Wechseljahre fallen häufig in eine Lebensphase mit vielen Veränderungen, beruflich, familiär oder gesundheitlich. Diese Veränderungen können zusätzliche Unsicherheit auslösen.

 

Was helfen kann

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Nervensystem wieder stärker zu stabilisieren:

  • Beruhigende Routinen etablieren: Regelmäßige Tagesabläufe geben dem Nervensystem Orientierung und Sicherheit. Feste Schlafenszeiten, Mahlzeiten und Pausen können helfen, innere Unruhe zu reduzieren.
  • Atemübungen nutzen: Langsames, bewusstes Atmen aktiviert den parasympathischen Teil des Nervensystems. Dadurch kann der Körper aus dem Alarmmodus leichter wieder in einen ruhigeren Zustand wechseln.
  • Gedanken strukturieren: Sorgen wirken oft größer, wenn sie ständig im Kopf kreisen. Gedanken aufzuschreiben oder bewusst zu sortieren kann helfen, mehr Klarheit zu schaffen.
  • Bewegung in den Alltag integrieren: Körperliche Aktivität baut Stresshormone ab und unterstützt die Regulierung von Serotonin und Dopamin. Schon regelmäßige Spaziergänge können helfen, innere Anspannung zu reduzieren
  • Reizpausen einplanen: Phasen ohne Bildschirm, Nachrichten oder dauernde Informationsflut entlasten das Gehirn. Solche Reizpausen geben dem Nervensystem Zeit, sich zu regenerieren.
  • Soziale Unterstützung suchen: Gespräche mit vertrauten Menschen können helfen, Sorgen einzuordnen und emotionale Entlastung zu schaffen.
  • Selbstmitgefühl entwickeln: Sich bewusst zu machen, dass hormonelle Veränderungen emotionale Reaktionen beeinflussen können, hilft oft, verständnisvoller mit sich selbst umzugehen.

Wann zum Arzt?

Wenn Angstgefühle sehr stark werden, über längere Zeit anhalten oder den Alltag deutlich einschränken, ist es sinnvoll ärztliche oder therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Besonders wichtig ist eine Abklärung, wenn Angst mit Panikattacken, starken Schlafproblemen, anhaltender innerer Unruhe oder depressiven Symptomen verbunden ist.

Eine frühzeitige Unterstützung kann helfen, das Nervensystem wieder zu stabilisieren und geeignete Strategien im Umgang mit den Ängsten zu entwickeln.

7. Wutausbrüche und geringe Belastbarkeit… bin das noch ich?

Dinge, die früher ein bisschen genervt haben, lösen plötzlich starke Wut, Frustration oder Tränen aus. Die Emotionen gehen hoch, wir reagieren viel intensiver, impulsiver und weniger kontrollierbar als gewohnt und kennen und manchmal selbst nicht mehr wieder.

Diese emotionalen Ausbrüche passen oft nicht zu dem Selbstbild das wir von uns haben und irritieren uns daher ganz besonders. Auch hier haben (wie nicht anders zu erwarten) die Hormone ihre Finger im Spiel…

Was passiert im Gehirn?

Wie wir schon wissen, entstehen unsere emotionalen Reaktionen durch ein Zusammenspiel der Amygdala, die emotionale Reize bewertet, mit dem Präfrontalen Cortex, der hilft, diese Reaktionen zu regulieren und zu kontrollieren und dem Hippocampus, der uns dabei unterstützt die Reize anhand unserer Erfahrungen und Erinnerungen einzuordnen.

All diese Systeme werden durch Schwankungen des Östrogens und des Progesterons beeinflusst, wie im vorhergehenden Kapitel nachzulesen ist.

Während bei stärkerer Ängstlichkeit vor allem das Bedrohungssystem des Gehirns stärker aktiviert wird, betrifft Reizbarkeit und Wut eher die Regulation von Frustration und Impulsen.

Die hormonellen Veränderungen führen dazu, dass emotionale Reize schneller und intensiver verarbeitet werden, während gleichzeitig die Fähigkeit des präfrontalen Cortex sinkt, Impulse zu regulieren und Reaktionen zu kontrollieren. Dadurch entstehen emotionale Reaktionen schneller und können schwerer reguliert werden.

Emotionale Reaktionen wie Wut entstehen häufig dann, wenn Erwartungen enttäuscht werden, Ziele unerreichbar sind oder persönliche Grenzen überschritten werden. Das Gehirn bewertet diese Situationen nicht primär als Gefahr, sondern als Frustration oder Hindernis. Durch das schlechtere Zusammenspiel der Gehirnregionen durch sinkende Hormonspiegel sinkt die Fähigkeit, die Frustration und die emotionalen Impulse zu regulieren, wodurch Reizbarkeit und emotionale Ausbrüche häufiger vorkommen.

Typische Merkmale

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie sich emotionale Veränderungen in den Wechseljahren zeigen können, z.B. durch plötzliche stärkere Reizbarkeit, schnellere emotionale Reaktion bei kleinen Auslösern, intensive Wut oder Frustration „aus dem Nichts“, weniger Geduld im Alltag, starke emotionale Schwankungen und dem Gefühl emotional schneller überfordert zu sein.

Oft wundern sich Frauen selbst über ihre Reaktionen und können sich nicht erklären, warum sie in bestimmten Situationen überreagiert haben.

Mögliche Auslöser

Ähnlich wie bei den vorherigen Kapiteln können auch hier verschiedene Alltagsfaktoren wie chronischer Stress, Schlafmangel, mentale Überlastung, Reizüberflutung oder emotionale Dauerbelastung die emotionalen Reaktionen zusätzlich verstärken. Für mehr Details lies gern in den vorherigen Kapiteln nach.

Was helfen kann

Um die eigene emotionale Stabilität zu unterstützen gibt es mehrere Möglichkeiten, hier sind einige davon:

  • Warnsignale früh erkennen: Viele emotionale Ausbrüche kündigen sich durch innere Anspannung oder Reizbarkeit an. Diese Signale bewusst wahrzunehmen kann helfen, frühzeitig gegenzusteuern
  • Pausen in den Alltag einbauen: So kann das Nervensystem etwas Entspannung finden, schon wenige Minuten sind hilfreich
  • Stress aktiv regulieren: Entspannungsübungen, Atemübungen oder kurze Spaziergänge helfen, das Stresssystem zu beruhigen und die emotionale Reaktionsschwelle zu stabilisieren.
  • Emotionen bewusst benennen: Gefühle wahrzunehmen und in Worte zu fassen kann helfen, Abstand zu gewinnen. So reduzierst du die Wahrscheinlichkeit einer impulsiven Reaktion
  • Realistische Erwartungen: Akzeptiere, dass das emotionale System in hormonellen Umbruchsphasen empfindlicher reagiert und verurteile dich nicht für Reaktionen, die du als übertrieben erachtest.
  • Gespräch suchen: Im offenen Gespräch mit vertrauten Menschen kannst du erklären was gerade in dir vorgeht und gleichzeitig neue Perspektiven gewinnen
  • Eigene Bedürfnisse ernst nehmen: Ausreichend Erholung, Bewegung, Schlaf und persönliche Rückzugszeiten sind wichtig für die emotionale Stabilität

Wann zum Arzt?

Wenn emotionale Ausbrüche sehr stark werden, häufig auftreten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, kann eine ärztliche oder therapeutische Unterstützung sinnvoll sein.

Auch wenn die starke Reizbarkeit mit anhaltender innerer Unruhe, depressiven Symptomen oder ausgeprägten Angstgefühlen verbunden ist, sollte fachliche Abklärung erfolgen.

Psychische Veränderungen in den Wechseljahren sind häufig behandelbar, und eine frühzeitige Unterstützung kann helfen, wieder mehr Stabilität und Lebensqualität zu gewinnen.

8. Depressive Verstimmungen und Depression… wenn die Stimmung dauerhaft absinkt

Traurigkeit, Erschöpfung oder ein Gefühl der inneren Leere können in den Wechseljahren häufiger auftreten.

Solche Veränderungen können verunsichern, besonders wenn sie länger anhalten. Es ist wichtig zu wissen, dass Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen in hormonellen Umbruchsphasen häufiger auftreten können.

Es ist aber ebenso klar: Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die medizinische Unterstützung benötigt.

Was passiert im Gehirn?

Unsere Stimmung entsteht, wie schon erwähnt, durch das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen, Neurotransmitter und Hormone. Besonders wichtig sind dabei die Systeme, die Motivation, emotionale Stabilität und Stressregulation steuern.

Hormone wie Östrogen und Progesteron beeinflussen mehrere dieser Systeme.

  • Östrogen unterstützt unter anderem die Aktivität von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin, die eine wichtige Rolle für Stimmung, Motivation und emotionale Stabilität spielen. Sinkt der Östrogenspiegel, kann dieses Gleichgewicht schwanken
  • Auch Progesteron wirkt stabilisierend auf das Nervensystem, besonders über den beruhigenden Neurotransmitter GABA. Sinkendes Progesteron bedeutet, dass der stabilisierende Einfluss fehlt.

Wie schon in früheren Kapiteln beschrieben reagiert auch die Stressachse sensibler, wenn der Östrogenspiegel sinkt. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn gleichzeitig Schlafprobleme, körperliche Beschwerden oder hohe Alltagsbelastungen bestehen.

Diese Veränderungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Depression entsteht. Sie können jedoch dazu beitragen, dass das emotionale Gleichgewicht vorübergehend instabiler wird und depressive Verstimmungen leichter auftreten.

Depressive Verstimmung und Depression – was ist der Unterschied?

In hormonellen Umbruchsphasen können vorübergehende depressive Verstimmungen auftreten. Dabei handelt es sich meist um eine zeitlich begrenzte Phase gedrückter Stimmung oder emotionaler Erschöpfung.

Eine Depression hingegen ist ein medizinisch definiertes Krankheitsbild, das deutlich länger anhält und das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen stark beeinflussen kann.

Der Übergang zwischen beiden Zuständen kann fließend sein und von außen, oder auch für die betroffene Person selbst, ist die Unterscheidung oft nicht eindeutig möglich.

Genau deshalb ist es wichtig, Veränderungen der eigenen Stimmung ernst zu nehmen und im Zweifel professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Mögliche Zusammenhänge mit den Wechseljahren

In den Wechseljahren kommt es zu vielfältigen körperlichen und hormonellen Veränderungen. Gleichzeitig fallen sie häufig in eine Lebensphase mit vielen zusätzlichen Herausforderungen, wie Stress in verschiedenen Lebensbereichen, körperlichen Beschwerden oder großen Lebensveränderungen.

Diese Kombination kann das emotionale Gleichgewicht belasten und depressive Symptome begünstigen. Nicht jede depressive Verstimmung in den Wechseljahren ist ausschließlich hormonell bedingt, aber die hormonellen Veränderungen können sie in vielen Fällen begünstigen.

Was helfen kann

Zeiten, in denen man sich niedergeschlagen und verletzlich fühlt, sind nicht der richtige Zeitpunkt, um an Selbstoptimierung zu denken, sondern um achtsamer mit sich selbst umzugehen und aktuelle Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Das kann ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen sein oder sich Entlastung im Alltag zu suchen. Auch regelmäßiger Schlaf und Bewegung sind immer gut.

Auf jeden Fall kann es hilfreich sein, sich schon früh professionelle Beratung oder psychologische Unterstützung zu suchen.

Wenn sich die Stimmung über längeren Zeitraum deutlich verschlechtert oder der Alltag zunehmend schwerfällt – such dir professionelle Hilfe, versuche nicht, diese Phase allein zu bewältigen!

Wann zum Arzt?

Wenn sich die eigene Stimmung über einige Zeit deutlich verändert, ist es sinnvoll, ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Ärztliche Abklärung ist besonders wichtig,

  • wenn sich die gedrückte Stimmung über Wochen nicht verbessert;
  • Freude, Motivation oder Energie stark nachlassen,
  • der Alltag zunehmend schwer fällt,
  • Schlaf, Konzentration oder Antrieb stark beeinträchtigt sind oder
  • Gefühle von Hoffnungslosigkeit entstehen

Es ist wichtig zu wissen: Fern- oder Selbstdiagnosen sind in diesem Bereich kaum möglich. Der Übergang zwischen hormonell bedingter Verstimmung ein einer behandlungsbedürftigen Depression kann fließend sein.

Gerade deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig mit Ärzten oder Therapeuten zu sprechen, wenn Unsicherheit besteht.

Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Gleichzeitig gibt es heute sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, sowohl medikamentös als auch therapeutisch. Und je früher Unterstützung in Anspruch genommen wird, desto besser sind in der Regel auch die Behandlungsergebnisse.

Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt um wieder Stabilität und Lebensqualität zu gewinnen.

Wenn du dir unsicher bist oder das Gefühl hast, rasch Unterstützung zu brauchen, kannst du dir auch telefonisch Hilfe holen. Anlaufstellen in Österreich findest du hier https://www.depression.at/anlaufstellen für Deutschland hier https://www.deutsche-depressionshilfe.de/hilfe/wegweiser-zur-hilfe für die Schweiz hier https://www.sgad.ch/für-betroffene/sofort-hilfe

6. Das Innenleben verändert sich – und es geht weiter

Psychische Veränderungen während der Wechseljahre können oft sehr belastend sein. Sie sind nicht sichtbar, aber trotzdem vorhanden. Konzentrationsprobleme, Antriebslosigkeit, Ängste oder stärkere emotionale Reaktionen können in uns das Gefühl auslösen, uns selbst nicht mehr ganz wiederzuerkennen.

Diese Veränderungen entstehen, weil sich unsere Hormone verändern und damit das Nervensystem und das Gehirn beeinflussen. Und weil diese Lebensphase generell oft stressig, vielfältig und anstrengend ist und viele Veränderungen und notwendige Entscheidungen für uns bereithält, die wir in einem hormonellen Ausnahmezustand treffen müssen.

Es ist gerade in dieser Lebensphase wichtig, sich selbst gegenüber aufmerksam zu bleiben, Veränderungen wahrzunehmen und ernst zu nehmen und sich bei Unsicherheit Unterstützung zu hoffen.

Die Wechseljahre sind nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Übrergangangsphase. Sie können anstrengend sein, aber gleichzeitig bieten sie uns auch die Möglichkeit, unsere eigenen Bedürfnisse zu erkennen und den Umgang mit uns selbst bewusster zu gestalten.

Die Artikelserie „Wechseljahrssymptome im Fokus“ soll dabei helfen, typische Veränderungen und Symptome dieser Lebensphase besser zu verstehen.

Im nächsten Teil der Serie geht es um Intimbereich & Blase (Blasenentzündung, nächtlicher Harndrang, brennende/juckende. Vagina, Ausfluss, Inkontinenz, schmerzen beim Sex, sexuelle Lustlosigkeit), in Teil 7 um Kopf & Sinne (Migräne, Schwindel, Tinnitus, Hörverlust…)

Die Wechseljahre betreffen viele Bereiche unseres Lebens. Je besser wir die Zusammenhänge verstehen, desto leichter wird es, Veränderungen einzuordnen und passende Unterstützung zu finden. Sie sind nicht nur eine körperliche Anpassung, sondern auch ein innerer Übergang. Sie laden dich dazu ein, den eigenen Körper und den eigenen Geist neu kennenzulernen und bewusster mit ihnen zu arbeiten. Wenn du dich intensiver damit beschäftigen willst, wie du diese Phase aktiv gestalten und als Entwicklungsschritt nutzen kannst, lies gern im Beitrag „Veränderung als Chance“ weiter oder melde dich bei mir, ich unterstützte dich gerne, deinen individuellen Weg durch diese Lebensphase zu skizzieren.

Beitragsbild: Über Mich | Martina Pietsch wachsenimwechsel lacht freundlich in die Kamera.

Martina Pietsch

Autorin

Hast du das Gefühl, dass dein Leben manchmal Kopf steht – und du irgendetwas ändern willst? Oder dass du gerne die Veränderungen durch die Wechseljahre aktiv für dich nutzen willst?

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen – als Mentaltrainerin und Veränderungsbegleiterin unterstütze ich dich dabei, deine eigenen Ressourcen zu entdecken, besser mit körperlichen und seelischen Veränderungen umzugehen und die Chance für einen echten Neubeginn zu nutzen.

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