Inhaltsverzeichnis


  • Zu viel statt zu wenig, und alles ist so wichtig…
  • Unser Anspruch an uns selbst
  • Manches ist ganz einfach nervig

Prioritäten setzen ist so wichtig

  • Priorisieren ist oft schwierig…

Praktische Schritte: Ordnung im Kopf schaffen

  • Schritt eins: Aufschreiben hilft!
  • Weniger ist oft mehr
  • Die Eisenhower-Matrix als Kompass

Ziele definieren hilft… aus Ideen werden erste Schritte

  • Wünsche, Visionen und Ziele
  • Die Kunst der kleinen Schritte
  • Ziele sind oft nicht gleich perfekt

Unser „Warum“ hilft beim Priorisieren

Ins Tun kommen und im Tun bleiben… die schwierigste Übung von allen

  • Wo sind meine Zeitfresser? Wo setze ich den Fokus drauf?
  • Routinen

Rückschläge gehören dazu

Fazit: Alles gleichzeitig klappt nicht… und mit Plan und Ziel geht alles leichter

Einleitung: Alles ist wichtig… und nichts funktioniert…

Das Leben bietet so viele Möglichkeiten und Ideen. Es gibt Phasen, da sprudeln wir fast über, sind kreativ und voller Energie. Wir wollen schon Vorhandenes perfektionieren und neue Ideen umsetzen. Immer mehr, immer höher, immer weiter…

Im Beruf wollen wir weiterkommen, neue Aufgaben übernehmen, vielleicht noch eine Fortbildung machen, oder gleich etwas ganz Neues ausprobieren.

Privat solls auch passen: die Wohnung soll kuschelig und gemütlich sein, wir wollen gesünder leben, mehr Sport treiben, neue Hobbies entdecken…

Und natürlich soll auch noch Zeit für Freunde und Familie bleiben, nicht nur nebenbei, sondern mit voller Aufmerksamkeit, wir wollen eine gute Tochter, gute Mutter, gute Partnerin, gute Freundin sein…

In einer Welt, die uns dauernd zu verstehen gibt, dass wir alles haben können fühlen wir uns oft verpflichtet, auch alles zu liefern.

Und dann gibt’s auch noch Me-Time, das ist wichtig, das wissen wir natürlich und wir hören es auch immer wieder von allen Seiten: Wir sollen uns Zeit nur für uns nehmen, herausfinden, was uns wirklich guttut und uns selbst in den Mittelpunkt stellen. Wir sollen die eigenen Bedürfnisse kennenlernen und ohne schlechtes Gewissen Dinge nur für uns selbst tun, um Kraft für den Alltag zu tanken.

Das alles klingt viel und klingt stressig… und das ist es oft auch.

Ohne Plan und ohne Struktur bleibt es sehr oft bei vielen Ideen, bei vielen Träumen, bei vielem, das wir tun wollen – und bei ganz vielem, das am Ende nicht umgesetzt wird. Daneben taucht noch ein ganz anderes Gefühl auf: das schlechte Gewissen. Denn wir wissen ja eigentlich, was uns guttun würde, was wir eigentlich wollen – und bekommen dennoch nichts auf die Reihe.

Es ist anstrengend und ermüdend, wir können uns nicht aufraffen anzufangen, wirklich was zu tun. Und selbst wenn wir irgendwo anfangen, bleibt da dieses Gefühl „Es ist nicht genug, da ist noch so viel mehr“. Wir fühlen uns hilflos, verloren und unzufrieden und stehen uns selbst im Weg, dabei wollten wir doch eigentlich ganz viel Schönes und Gutes erreichen.

Wir springen zwischen unseren verschiedenen Aufgaben und Ideen hin und her und kommen nirgends wirklich voran, sehen nirgends einen Erfolg, und am Ende landen wir auf der Couch, mit einer Tafel Schokolade oder einem Packerl Chips in der Hand und fühlen uns schlecht. Weil wir eigentlich wissen, was zu tun wäre, aber es einfach nicht hinbekommen.

Das Problem dabei ist nicht, dass wir zu wenig tun wollen. Das Problem ist, dass wir nicht entscheiden, wo wir beginnen und was gerade etwas in den Hintergrund treten darf. Durch die vielen Reize und Möglichkeiten verliert unser innerer Kompass die Orientierung.

Prokrastinieren hat nichts mit Faulheit zu tun

Nichtstun wird in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen. Wer Dinge aufschiebt, gilt rasch als unorganisiert, undiszipliniert oder faul. Doch in vielen Fällen steckt ganz etwas anderes dahinter.

Meistens prokrastinieren wir nicht, weil wir nichts tun wollen. Im Gegenteil, wir haben oft so Ideen, Träume und Visionen, dass wir ganz einfach von uns selbst überfordert sind. Und als Reaktion darauf tun wir dann einfach gar nichts.

Zu viel statt zu wenig, und alles ist so wichtig…

Es passiert dauernd, wir haben zu viele Themen, die uns wichtig sind, zu viele Möglichkeiten, die uns offen stehen, zu viele Wege, die wir gehen könnten. Und alles erscheint gleich wichtig, da alles parallel läuft und unsere Aufmerksamkeit fordert.

Doch wenn alles wichtig ist, wird es schwierig eine Entscheidung zu treffen, wie und wo wir anfangen wollen. Und diese Unfähigkeit zu wählen und zu starten führt dazu, dass wir prokrastinieren. Es ist keine bewusste Entscheidung gegen das Tun, sondern eine Schutzreaktion unseres Inneren vor einer möglichen Überlastung.

Solange uns nicht klar ist, was im Moment Vorrang hat, bleibt jede Entscheidung ein schmerzhafter Kompromiss. Egal womit wir beginnen, es fühlt sich immer so an, als ob wir etwas anderes vernachlässigen, eigentlich gerade ganz etwas anderes tun sollten.

Blog | Priorisieren | Wachsen im Wechsel Martina Pietsch, Frau in grauem Hoodie mit Dutt schaut verzweifelt, Hände halten Gesicht fest

Unser Anspruch an uns selbst

Ein weiterer Grund für das Aufschieben ist unser hoher Anspruch an uns selbst. Wir sind uns gegenüber oft viel strenger und unbarmherziger als unsere Umgebung.

Wir wollen unsere Projekte und Aufgaben nicht einfach nur erledigen, wir wollen sie gut machen, sie sollen durchdacht sein, sinnvoll, am besten perfekt.

Je wichtiger uns eine Idee ist, umso größer ist die Hürde, auch wirklich loszulegen. Denn es geht nicht nur darum, einfach anzufangen, sondern wir wollen es richtig machen, und erhöhen so den Druck auf uns selbst. Unser eigener Perfektionismus ist der Feind unserer Produktivität. Mehr zum Thema Perfektionismus lies gern in meinem Blogartikel zum Thema.

Wir bauen Selbstzweifel auf und warten lieber auf den perfekten Zeitpunkt als einen unperfekten ersten Schritt zu machen. Wir suchen nach Gründen, noch nicht loszulegen, planen immer weiter oder grübeln, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt.

Blog | Priorisieren | Wachsen im Wechsel Martina Pietsch, Frau liegt auf Sofa, Fernbedienung in der Hand, isst Popcorn

Manches ist ganz einfach nervig

Prokrastination kann auch ganz pragmatische Gründe haben. Manche Aufgaben sind ganz einfach anstrengend, langweilig oder mühsam, gehören aber auch gemacht. Da fühlen wir uns plötzlich beschäftigt, indem wir völlig unnötige Dinge tun. Wir flüchten in eine Schein-Produktivität, um das unangenehme Gefühl, das die eigentliche Aufgabe uns vermittelt, zu vermeiden.

Wer noch nie ganz dringend die Nägel lackieren, alle Buntstifte der Kinder spitzen oder den Zeitschriftenstapel neu ordnen musste, wenn eigentlich Zeit für einen Wohnungsputz gewesen wäre oder eine Präsentation fertiggestellt werden sollte… der werfe gerne den ersten Stein.

Prioritäten setzen ist so wichtig

Es klingt einfach, und doch ist es oft sehr schwer: Priorisieren. Denn Priorisieren bedeutet bewerten: Was ist so wichtig, dass es nicht warten kann? Was muss ich selbst tun und was kann ich delegieren oder eine Zeit lang ignorieren?

Was von außen betrachtet oft logisch und einfach erscheint, kommt uns selbst manchmal überfordernd vor. Denn in unserem Kopf wirken so viele unserer Aufgaben auf den ersten Blick unaufschiebbar und superwichtig und erst bei näherem Hinsehen erkennen wir, dass das eigentlich gar nicht stimmt.

Wenn wir genau hinsehen, ist es uns auch möglich, eine logische Reihenfolge zu erkennen. Das hilft, um Dinge nicht mehr alle gleichzeitig, sondern hintereinander anzugehen. Und es schafft die Möglichkeit, sich für einzelne Projekte die Zeit zu nehmen, die es braucht, ohne das Gefühl zu haben, dabei ganz viel anderes zu vernachlässigen.

Unsere Zeit und Energie sind nicht unendlich. Es hilft daher sehr, zu fokussieren, statt unermüdlich von einem Thema zum nächsten zu springen und dabei nirgends wirklich voranzukommen. Denn wir Menschen sind nicht fürs Multitasking gemacht, der Versuch alles gleichzeitig zu machen, hemmt uns und reduziert die Qualität unserer Arbeit. Das hat die American Psychological Association schon 2009 erkannt und mit Studienergebnissen untermauert, zur Studie einfach den LINK anklicken.

Prioritäten setzen, das heißt sich selbst wichtig zu nehmen und Entscheidungen zu treffen, die für die eigene Arbeit und für das eigene Wohlbefinden vorteilhaft sind. So schaffen wir eine Struktur, die es möglich macht, einen Anfang zu finden und Dinge auch wirklich zu Ende zu bringen, nicht alle gleichzeitig, aber in der Reihenfolge, die für uns passt.

Priorisieren ist oft schwierig…

Sich gegen etwas zu entscheiden, wenn auch nur für den Moment, fühlt sich oft unangenehm an. Wir haben Angst, etwas zu verpassen (das sogenannte FOMO – fear of missing out) oder andere zu enttäuschen. Wenn wir eine Aufgabe priorisieren sagen wir automatisch „nein“ zu vielen anderen Dingen, und das erfordert Mut.

Denn wir haben oft schon sehr früh gelernt, dass Nein-Sagen unhöflich ist. Doch ein Nein zu einer nicht so wichtigen Sache ist gleichzeitig ein Ja zu dir selbst, deinen Bedürfnissen und deinen eigentlichen Zielen. Wir wollen weg davon, alles irgendwie hinzubekommen und hin zu einer durchdachten und strukturierten Reihenfolge.

Priorisieren zu können ist Übungssache. Es zu nutzen, macht den entscheidenden Unterschied zwischen „ich habe viele Ideen“ und „ich setze wirklich etwas um“. Nur durch Priorisieren arbeiten wir in unserem eigenen Tempo und mit unseren eigenen Prioritäten und reagieren nicht mehr hauptsächlich auf Anforderungen von außen. Wir wollen uns auf das fokussieren was gerade am Dringendsten und Wichtigsten ist, und uns dann zu den weniger dringenden und weniger wichtigen Aufgaben durcharbeiten – und dabei das gute Gefühl haben, den Überblick zu behalten.

Praktische Schritte: Ordnung im Kopf schaffen

Unsere Gedanken haben oft keine Struktur, sie springen von einem Thema zum anderen und werden von Emotionen beeinflusst. Daher ist eine sinnvolle Prioriserung, die nur im Kopf stattfindet, kaum möglich. Wir müssen Wege finden, um unser Gehirn zu entlasten.

Schritt eins: Aufschreiben hilft!

Solange wir unsere Träume und Wünsche, unsere endlos lange Liste an Aufgaben und Erwartungen, die wir erfüllen wollen, nur im Kopf haben, kann leicht das immerwährende Gefühl entstehen, etwas zu vergessen oder den Überblick zu verlieren.

Der erste praktische Schritt ist daher sehr simpel, aber sehr wichtig:

Schreibe all deine Gedanken auf.

Nimm dazu ein großes Blatt Papier oder ein digitales Dokument und leere deinen Kopf:

  • Welche Aufgaben stehen heute, diese Woche, diesen Monat an?
  • Welche Ideen beschäftigen dich?
  • Was müsstest/solltest/könntest du alles tun?
  • Welche Projekte liegen angefangen in der Ecke?
  • Welche sozialen Verpflichtungen belasten dich?

Erst wenn alles sichtbar vor dir ist, verliert das Chaos seine Macht. Oft erkennen wir schon beim Aufschreiben und Durchlesen, dass viele Punkte gar nicht so dringend sind, wie sie sich in unserem Kopf angefühlt haben.

Blog | Priorisieren | Wachsen im Wechsel Martina Pietsch, Frau schreibt in Notizbuch, silberner Kugelschreiber, sitzt auf Wiese, Buch auf den Knien, Bildausschnitt nur Beine und Buch sichtbar

Weniger ist oft mehr

Zehn Dinge gleichzeitig zu machen klappt einfach nicht, auch nicht, wenn wir besser organisieren oder effizienter arbeiten. Und die Enttäuschung danach ist umso größer, wenn wieder nichts zu Ende gebracht wurde. Selbst wenn es irgendwo einen kleinen Erfolg gab, geht dieser oft unter zwischen den vielen anderen unfertigen oder unerledigten Dingen.

Daher ist es nicht nur wichtig zu priorisieren, sondern auch Zeitfenster zu schaffen, in denen wir fokussiert an einer Aufgabe arbeiten, die wir vorher als dringend notwendig identifiziert haben.

Die Eisenhower-Matrix als Kompass

Um einen Überblick zu erhalten, was wirklich dringend und wichtig ist, ist die Eisenhower-Matrix ein hilfreiches Werkzeug. Sie hilft uns, den Unterschied zwischen dringend (= etwas, das sofort erledigt werden muss) und wichtig (= etwas, das langfristig weiterbringt) zu verstehen.

Sortiere alle deine Aufgaben aus der vorher erstellten Liste in eines der vier Felder ein:

  • Wichtig und dringend: sollte zeitnah erledigt werden. Hier kann nicht gewartet werden, diese Punkte müssen sofort erledigt werden. Beispiele können z.B. eine Deadline morgen im Job, ein krankes Kind oder ein Wasserrohrbruch sein.
  • Wichtig, aber nicht dringend: sollte auf jeden Fall erledigt werden, kann aber für einen etwas späteren Zeitpunkt eingeplant werden. Viele Punkte, die die persönliche Entwicklung betreffen, liegen in diesem Quadranten wie z.B. Sport, Vorsorgeuntersuchungen, Zeit mit dem Partner oder die Planung der beruflichen Zukunft. Es ist wichtig, die Wichtigkeit dieser Punkte zu erkennen und sie fix einzuplanen, sonst werden sie oft nie passieren, weil sie immer wieder von anderen, scheinbar dringenderen Punkten überlagert werden.
  • Dringend, aber nicht wichtig: diese Punkte können oft delegiert oder minimiert werden. Oft sind Aufgaben in diesem Quadranten getrieben von den Erwartungen anderer. Anrufe, unangekündige Besuche, Emails, die sofort beantwortet werden sollten… vieles, was zwar im Moment dringend wirkt, aber deine eigenen Ziele langfristig nicht unterstützen. Hier ist es wichtig zu lernen, Grenzen zu setzen und auch mal Aufgaben abzugeben.
  • Weder wichtig, noch dringend: überlege, ob es wirklich notwendig ist, diese Aufgabe zu erledigen, was kann davon einfach ersetzt werden. „Aufgaben“ in diesem Bereich können auch Zeitfresser wie das endlose Scrollen auf Social Media, das Lesen von irrelevanten Newslettern oder das dritte Mal Staubwischen am gleichen Tag sein.

Um die Aufgaben, Ideen und Projekte, die du vorher notiert hast in eine gute Reihenfolge zu bringen, ist es hilfreich sich kritische Fragen zu stellen:

  • Was bringt mich weiter, nicht nur kurzfristig sondern auch langfristig?
  • Was sind die Konsequenzen, wenn ich etwas nicht mache?
  • Was fühlt sich nur dringend an, weil jemand anderer Druck macht oder weil es „immer schon so war“?

Diese Einteilung ist kein starres System, sondern sie gibt Orientierung und hilft dabei, einzuordnen statt nur ein Gefühl zu haben, was gerade wirklich wichtig ist.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, die geplante Reihenfolge auch schriftlich festzuhalten, konkrete Timings festzulegen (nicht „irgendwann“ sondern „übermorgen“) und auch anzuerkennen, wenn eine Aufgabe wie geplant erledigt wurde.

Ziele definieren hilft… aus Ideen werden erste Schritte

Wir haben oft sehr viele Ideen, Wünsche, Visionen, Träume und wissen auch oft sehr genau, was wir gerne hätten, was wir verändern wollen, was „eigentlich gut“ wäre. Oft sind das große Ideen, viel zu groß um sie wirklich als Ganzes vor sich zu sehen, in die wir oft schon viele Gedanken investiert haben und wo wir schon erste Vorstellungen haben, wie wir sie erreichen können. Doch vieles ist noch unklar, unsicher, viel zu vage um wirklich loslegen zu können. Es fehlt die Klarheit, die uns dazu bringt auch wirklich loszulegen.

Wünsche, Visionen und Ziele

Wünsche und Visionen sind wichtig für uns. Sie sind unsere Richtungsgeber, sie zeigen auf, was uns beschäftigt, wie wir uns unser Leben vorstellen und in welche Richtung wir uns entwickeln wollen.

Ein Wunsch kann z.B. sein „ich möchte gesünder leben“ oder „ich möchte beruflich etwas verändern“. Das ist noch kein Ziel, aber es ist ein Anfang.

Eine Vision geht oft noch weiter, sie beschreibt ein größeres Bild, sie vermittelt uns ein Gefühl davon, wie sich das eigene Leben anfühlen könnte. Visionen sind oft nicht konkret, aber sie geben Orientierung, weil sie uns zeigen, was uns wichtig ist.

Ein Ziel entsteht immer dann, wenn wir aus unseren Wünschen und Visionen Konkretes ableiten.

So wird z.B. aus dem Wunsch „Ich möchte gesünder leben“ das Ziel „Ich gehe ab nächster Woche zweimal pro Woche eine halbe Stunde spazieren“.

Das ist greifbar und kann umgesetzt werden und wir können auch sofort überprüfen, ob es passiert ist oder nicht. So schaffen wir uns selbst Erfolgserlebnisse bzw. sind in der Lage zu adaptieren, falls wir erkennen, dass die Ziele, die wir für uns festgelegt haben, doch nicht der richtige Weg sind, um unsere Wünsche zu erfüllen oder unsere Visionen zu leben.

Die Kunst der kleinen Schritte

Wir scheitern oft, weil wir uns zu viel auf einmal vornehmen. Wenn unser Ziel z.B. „berufliche Neuorientierung“ heißt, ist das so groß, dass unser Gehirn sofort in den Prokrastinations-Modus schaltet.

Doch wenn wir unser Ziel in viele kleine, machbare Schritte zerlegen, dann sieht das ganz anders aus. Ein erster Schritt könnte z.B. sein: „Diesen Donnerstag recherchiere ich eine Stunde lang nach Weiterbildungsmöglichkeiten“. Dieses Ziel wirkt machbar und ist überprüfbar, und liefert einen ersten kleinen Erfolg bei einem Teilziel, der uns für den nächsten Schritt motiviert.

Ziele sind oft nicht gleich perfekt

Ziele müssen nicht von Anfang an perfekt sein. Wir werden sie im Tun immer wieder anpassen und konkretisieren, sobald wir echte Erfahrungen gesammelt haben. Wenn wir Ziele zu detailliert formulieren nehmen wir uns die Chance, auf neue Möglichkeiten entlang unseres Weges zu reagieren. Doch egal wie sich unser Ziel im Detail entwickelt, die Richtung unseres Ziels sollte dabei immer im Einklang mit unseren Werten stehen, es sollte sich bei jedem Schritt richtig und gut anfühlen.

Beim Formulieren unseres Ziels unterscheidet man oft zwischen zwei verschiedenen Arten der Zieldefinition:

  • SMART – Ziele: Diese Ziele sind spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und terminisiert. Sie sind ideal für klare Aufgaben mit messbaren Ergebnissen (z.B. Ich spare bis Dezember dieses Jahres 500 Euro)
  • Mottoziele: Sie beschreiben Haltungen oder Richtungen, die wir verinnerlichen wollen, wie z.B. Ich lebe mein Leben mit mehr Leichtigkeit. Diese Ziele helfen uns, unsere innere Einstellung zu bewahren, auch wenn unser Alltag stressig wird.

Unser „Warum“ hilft beim Priorisieren

Es ist wichtig unsere Ziele zu definieren, um ins Tun zu kommen, doch daneben ist es auch wichtig, für uns selbst zu erkennen, WARUM wir eine Aufgabe überhaupt erledigen wollen. Denn wenn wir unser Warum kennen, wenn wir wissen was uns motiviert und antreibt, findet sich so gut wie immer auch ein WIE.

Wir können zwei verschiedene Arten von Motivation unterscheiden:

  • Die extrinsische Motivation ist die Motivation von außen. Man kann z.B. durch Geld oder eine andere Art materieller oder immaterieller Belohnung motiviert werden, oder erwartet sich Lob und Anerkennung bzw. fürchtet sich vor Bestrafung oder Verlust von Ansehen, wenn Aufgaben nicht wie erwartet durchgeführt werden. Diese Art der Motivation funktioniert kurzfristig, führt aber zu Erschöpfung, weil wir Dinge tun, die nicht mit dem, was wir wirklich wollen in Einklang stehen.
  • Intrinsische Motivation entsteht aus uns selbst heraus. Wir tun etwas, weil es uns Freude macht, weil es unseren Werten entspricht oder wie wir einen tieferen Sinn darin sehen. Wenn wir intrinsisch motiviert sind, fällt uns das Dranbleiben deutlich leichter.

Schwierigkeiten beim Priorisieren entstehen oft, weil die Ziele, die wir erreichen wollen nicht mit den eigenen Werten übereinstimmen. Erst wenn wir hier Einklang schaffen, können wir häufig Sinn erkennen für Aufgaben, die uns vorher nur nervig oder unangenehm vorgekommen sind und sie so besser in unser Leben integrieren:

  • Wenn ich mir z.B. darüber klar werde, dass mir meine eigene Gesundheit und Fitness wichtig ist, macht es mehr Sinn regelmäßig laufen zu gehen oder mehr Gemüse zu essen.
  • Wenn mir Weiterbildung und lebenslanges Lernen wichtig sind, dann erkenne ich in einem neuen Aufgabenfeld vielleicht nicht nur eine anstrengende Beschäftigung, sondern die Möglichkeit, meine Fähigkeiten zu erweitern.

Wenn ich erkenne WARUM ich Dinge tue und nicht nur, DAS ich sie tun sollte, kann ich meine intrinsische Motivation steigern und wirklich ins Tun kommen, ohne schlechte Laune, sondern mit der Offenheit, mich auch über kleine Erfolge zu freuen.

Ins Tun kommen und im Tun bleiben… die schwierigste Übung von allen

Oft reicht es nicht, nur zu wissen was zu tun wäre, was gerade wichtig ist. Wir haben priorisiert, haben ein klares Ziel festgelegt und trotzdem passiert so gut wie gar nichts. Denn der Abstand „ich weiß was ich tun sollte“ und „ich mach es jetzt wirklich“ ist oft erstaunlich groß.

Die größte Hürde ist also, wirklich ins Tun zu kommen, obwohl wir wissen was wir wollen. Denn ein Anfang bedeutet auch immer Unsicherheit. Und unser Gehirn mag Sicherheit und Routine, deshalb ist das Neue oft zunächst beängstigend, auch hier lies gern im verlinkten Beitrag dazu nach.

Blog | Priorisieren | Wachsen im Wechsel Martina Pietsch, Kalenderausschnitt mit Einträgen von "vermutlich", "Vielleicht" usw. bis "Los gehts!"


Wo sind meine Zeitfresser? Wo setze ich den Fokus drauf?

Wir haben oft das Gefühl, keine Zeit für Neues zu haben. Doch oft lohnt es sich, die eigene Zeiteinteilung kritisch zu betrachten:

  • Wie viel Zeit geht jeden Tag für Social Media, Fernsehen oder Computerspiele verloren? (Ein Blick in die Bildschirmzeit-Statistik ist manchmal ein heilsamer Schock…)
  • Was tue ich für andere aus reinem Pflichtgefühl, obwohl es eigentlich gar nicht meine Aufgabe ist?
  • Wo fülle ich meinen Tag mit Dingen, die anders oder einfacher erledigt werden könnten oder eigentlich so gar nicht notwendig sind?

Wenn wir Zeitfenster identifiziert haben, fixieren wir sie am besten gleich im Kalender. Ein Date mit dir selbst oder deinem Projekt hat genauso viel Relevanz wie z.B. ein Zahnarzttermin.

In der Zeit, die wir für unser neues Vorhaben geplant haben, hilft es Störquellen und Ablenkungen so gut wie möglich zu reduzieren. Es ist einfach möglich, beim Handy Fokuszeit einzurichten, Benachrichtigungen abzustellen und auch anderen Bescheid zu sagen, dass man konzentriert arbeiten möchte.

Damit wird die Zeit bewusst genutzt, und danach ist wieder Zeit für Ablenkung, Nichtstun und den Austausch mit anderen.

Ein klarer Zeitrahmen ist hilfreich, viele Aufgaben erledigen wir nicht, weil sie keinen klaren Endpunkt haben. Und aus „irgendwann“ wird in vielen Fällen „nie“.

Ohne zeitliche Begrenzung ziehen sich Aufgaben oft unnötig in die Länge oder werden immer wieder verschoben. Oder wir setzen uns selbst sehr unter Druck, weil wir zu viel in zu kurzer Zeit schaffen wollen.

Routinen

Routinen helfen, im Tun zu bleiben. Sie nehmen uns Entscheidungen ab und sorgen dafür, dass wir manches einfach tun ohne groß nachzudenken.

Routinen können z.B. fixe Zeiten am Tag sein, an denen wir uns bestimmten Aufgaben widmen. Oder ein Zeitraum pro Woche, den wir für eine bestimmte Aktivität reserviert haben.

Routine hilft uns, dranzubleiben, wenn die Motivation mal nicht so hoch ist, denn wir tun einfach, weil wir es immer so machen, und bis wir darüber nachdenken, was wir eigentlich gerade tun, sind wir schon mittendrin.

Es ist hilfreich, neue Gewohnheiten mit bestehenden zu verknüpfen (z.B. „Nachdem ich meinen Kaffee getrunken habe, schreibe ich 10 Minuten an meinem Blog“), dann muss das Gehirn nur eine bestehende Routine erweitern, das ist weniger aufwändig als eine ganz neue Gewohnheit zu automatisieren. Mehr dazu kann man z.B. im verlinkten Artikel „How are habits formed: modelling habit formation in the real world“ (Philippa Lally u.a., 2009 im European Journal of Social Psychology veröffentlicht) nachlesen.

Fortschritt ist oft unspektakulär, oft erst im Lauf der Zeit erkennbar und nicht sofort sichtbar und spürbar.

Es sind Dinge, die man immer wieder erledigt, kleine Schritte am Weg, doch wenn wir irgendwann zurückblicken erkennen wir, wie weit wir schon gekommen sind, und ab dem Moment fällt es uns auch leichter, dranzubleiben.

Rückschläge gehören dazu

Planen, vorbereiten, priorisieren und anfangen sind superwichtige Schritte, dennoch können wir nicht vermeiden, dass es auch manchmal zu Rückschlägen kommt, wenn wir uns mit Neuem beschäftigen. Mal funktioniert es einfach nicht so wie geplant, wir erkennen, dass ein Weg doch nicht ganz der richtige für uns ist und ein nachjustieren notwendig ist oder es passen ganz einfach äußere Umstände gerade nicht und hindern uns daran, umzusetzen was wir uns vorgenommen haben.

Es wird Tage geben, an denen wir einfach nicht ins Tun kommen und Momente, in denen wir hinterfragen, was wir hier eigentlich machen und Stunden, wo wir das Gefühl haben, schon wieder – oder noch immer – ganz am Anfang zu stehen.

All das ist wichtig und notwendig und ein ganz normaler Teil von Veränderungsprozessen. Und genau so sollten wir auch damit umgehen: Keine Vorwürfe an uns selbst, keine Selbstzweifel, sondern die Rückschläge als notwendige Schritte am Weg nach vorne erkennen und daraus lernen.

Geh ohne Selbstvorwürfe damit um. Sei stattdessen neugierig und versuche herauszufinden, warum ein Schritt nicht geklappt hat. Sieh jeden Rückschlag als Möglichkeit zu lernen und zu reflektieren, nicht als Urteil über deinen Charakter, dein Können oder deine Fähigkeiten. Vielleicht passt ein bestimmter Weg doch nicht zu dir, dann hast du jetzt die Möglichkeit, einen anderen auszuprobieren.

Denn jeder Rückschlag gibt uns die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und dem Weg, der wirklich zu uns passt, einen Schritt näher zu kommen.

Rückschläge sind notwendig auf dem Weg nach vorne, sie sind ein Teil unseres Lebens und gehören dazu, die Alternative wäre, nichts zu ändern und nichts zu probieren und immer nur davon zu träumen, was wir eigentlich im Leben erreichen wollen. Wir dürfen uns selbst dankbar sein, dass wir uns zugetraut haben, überhaupt erste Erfahrungen zu sammeln und daran zu wachsen.

Manchmal ist es schwer, nach einem Rückschlag wieder loszustarten. Es hilft, flexibel zu sein und nicht krampfhaft am alten Plan festzuhalten, sondern neue Möglichkeiten zuzulassen. Wir müssen nicht alles umwerfen, aber einen nächsten Schritt definieren, der uns machbar vorkommt, ohne Druck, dass es jetzt perfekt sein muss, sondern mit viel Neugier und Interesse, was passiert, wenn wir diesen Schritt auch wirklich machen.

Und es hilft natürlich, nicht nur den kleinen Misserfolg von gerade eben vor Augen zu haben, sondern sich zu verdeutlichen, was das Ziel ist, das wir erreichen wollen, warum wir eigentlich tun was wir tun. Und da der Weg zum Ziel eben noch nicht fertig geschrieben ist, sind wir nun Abenteurerinnen, die ihre Gedanken endlich in Taten umsetzen und dabei den passenden Weg für sich selbst suchen… und das kann mal kurz und dann wieder länger dauern.

Wenn du mehr über Veränderungsprozesse und die dahinter liegenden Muster wissen willst, lies gern in meinem Blogartikel „Veränderung als Chance“ nach.

Fazit: Alles gleichzeitig klappt nicht… und mit Plan und Ziel geht alles leichter

Meistens haben wir nicht zu wenige Ideen, sondern zu viele und das blockiert uns, weil wir überfordert sind und keinen Anfang finden.

Prokrastinieren ist kein Zeichen von Faulheit, sondern eine Folge von fehlender Klarheit. Wenn alles gleich wichtig scheint, fehlt die Richtung, in die wir starten können. Es ist notwendig zu Priorisieren. Dadurch sind wir gezwungen, uns bewusst zu machen, was gerade wirklich zählt.

Es ist wichtig, dass wir klare Ziele definieren. Sie machen aus unseren Wünschen und Träumen etwas Greifbares und geben eine Richtung vor. Erst wenn wir uns entscheiden, einem Thema Priorität zu geben und andere Dinge vorerst loszulassen, entsteht der Raum für echtes Handeln. Den genauen Weg zum Ziel erreichen wir erst beim Gehen, daher ist es umso wichtiger wirklich zu beginnen. Und dafür gibt es keinen perfekten Zeitpunkt, der beste Zeitpunkt um loszulegen ist genau JETZT!

Veränderung braucht Zeit und Mut, klare Ziele und erste machbare Schritte, um ins Tun zu kommen und Erfahrungen zu sammeln. Und es braucht Reflexion der Erfahrungen, die wir gemacht haben, um unseren Weg ans Ziel danach auszurichten. Es ist eine Reise zu uns selbst, auf der wir lernen, unsere Energie dort einzusetzen, wo es wichtig und richtig für uns ist. Ich unterstütze dich gerne auf deinem Weg, helfe dir Klarheit für dich selbst zu schaffen, wirklich ins Tun zu kommen und auch deine Erfahrungen zu reflektieren. Melde dich gern bei mir, wenn du mich bei dem einen oder anderen Schritt auf deinem Weg an deiner Seite haben möchtest!

Beitragsbild: Über Mich | Martina Pietsch wachsenimwechsel lacht freundlich in die Kamera.

Martina Pietsch

Autorin

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